Marcus Fabius Quintilianus (1. Jh. n. Chr.): Ausbildung des Redners

"Und deshalb sind manche, die in der Schule alt geworden sind, ganz benommen und starr vor dem Neuen, wenn sie in Gerichtsverhandlungen stehen, und vermissen alles, was ihren Übungen ähnlich sieht. Da schweigt ja der Richter, der Gegner tobt gegen ihn los, kein Wort, das unbedacht gesprochen wurde, geht verloren, stellt man für sich eine Behauptung auf, so muss man sie beweisen, die in tage- und nächtelangem Fleiß erarbeitete und vollgestopfte Verhandlungsrede scheitert am Wasser". (XII. Buch, 6,5; mit "Wasser" wird hier auf die antike Technik der Redezeitmessung Bezug genommen.)

Rhetorik für Juristen*

In der "Rhetorik für Juristen" beschäftigen sich die Teilnehmenden vorwiegend mit monologischen Formen der Kommunikation (Rederhetorik), mit denen der Jurist in Ausbildung und Berufspraxis konfrontiert ist. Zu den Themen gehören die freie Rede mit und ohne Medieneinsatz, der Umgang mit Redängstlichkeit, extraverbale und paraverbale Wirkungsfaktoren, eine verständliche, hörgerechte Formulierung, eine rhetorische Argumentationsstruktur sowie die wirkungsvolle und klare Redegliederung. Teilnehmen können alle Jurastudierenden ab dem Fachsemester, das laut Musterstudienplan für den Besuch der interdisziplinären Schlüsselqualifikationen vorgesehen ist. Alternativ können die "Techniken der Gesprächführung und Konfliktlösung" belegt werden.

Die in Greifswald laut Studienordnung für die "Kommunikationstechniken für Juristen" vorgesehenen zwei Wochenstunden teilen sich auf in sechs semesterbegleitende Seminartermine zu jeweils vier Stunden. Die Seminartermine werden durch vier Vorlesungstermine (Plena) ergänzt. Die Bescheinigung zu den interdiziplinären Schlüsselqualifikationen kann nur erwerben, wer sich an den Redeübungen in allen sechs Gruppenterminen mit jeweils mindestens ausreichenden Leistungen beteiligt und sich nachweislich mit den Inhalten der Lehrveranstaltung (auch der Vorlesungen) auseinandergesetzt hat. Es handelt sich ausdrücklich nicht um einen "Sitzschein", sondern um einen "Mitarbeitsschein", d. h. es müssen Beiträge erbracht werden, die einem Referat vergleichbar sind (vgl. § 5 Abs. 3 JAPO-MV vom 16.06.2004).

Die "Rhetorik für Juristen" richtet sich vornehmlich an Studierende, die sich bereits mit dem Schwerpunktbereich beschäftigen und ihre Studienarbeit in absehbarer Zeit präsentieren werden. Es können aber auch andere interessierte Jurastudierende teilnehmen. Die Anmeldung erfolgt über das Selbstbedienungsportal HIS durch Eintrag in eine Seminargruppe. Wer von seinem Teilnahmeplatz zurück tritt, muss sich vor dem ersten Veranstaltungsterminper E-Mail abmelden, damit andere nachrücken können. Wer nach sich nach Veranstaltungsbeginn abmeldet oder den Vorlesungs- und Gruppenterminen unentschuldigt fern bleibt, wird bei einer erneuten Anmeldung zu den Schlüsselqualifikationen nachrangig behandelt!

*Hinweis zur Sprachregelung: Der Übersichtlichkeit und leichteren Lesbarkeit wegen wird hier und auf den folgenden Seiten die herkömmliche, männlich geprägte Sprachform des "Juristen" verwendet. Es sind jedoch stets und ausdrücklich beide Geschlechter eines Berufsbildes gemeint.

17.10.2018: "Reden lernt man nur durch Reden"

Gastbeitrag zur Rhetorik für Juristen auf Legal Tribune Online von Sabine Olschner (16.10.2018)