Verfassungssentimentalismus (Greifswalder Rechtsvorträge)

Der autoritäre Populismus wendet sich gegen den demokratischen Verfassungsstaat, sobald er an der Macht ist. Angesichts dessen beunruhigen die Wahlerfolge, die autoritär-populistische Parteien (auch) hierzulande feiern. Die etablierten Parteien reagieren darauf mit einer Politik, die vornehmlich auf Ausgrenzung der Populisten und Entpolitisierung setzt. Diese politische Konstellation nehmen die Greifswalder Rechtsvorträge im Sommersemester 2026 zum Anlass, sich aus rechts- und politikwissenschaftlicher Perspektive dem Verhältnis von Populismus und demokratischem Verfassungsstaat zu nähern.

Der vierte Vortrag zum Thema „Verfassungssentimentalismus“ findet am 17.06. um 18.15 Uhr im Hörsaal 1.22, Ernst-Lohmeyer-Platz 1 statt. Referieren wird Frau Prof. Dr. Astrid Séville von der Leuphana Universität Lüneburg

Der Vortrag

Die liberale Demokratie steht unter Druck wie selten zuvor in der jüngeren Geschichte. Nicht nur autoritäre Regime und geopolitische Großkonflikte und Brüche fordern sie heraus, auch innerhalb demokratischer Gesellschaften greifen autoritäre und populistische Kräfte die bestehenden politischen Institutionen, Verfahren und Normen an. Der Vortrag geht vor diesem Hintergrund der Frage nach, wie sich liberalen Demokraten in diesen Zeiten verteidigen und dabei die bestehende Ordnung der Demokratie als die bestmögliche erzählen. Dabei geraten unterschiedliche, zum Teil widersprüchliche und sich selbst unterminierende Strategien ins Blickfeld, darunter eine politische Redeweise, die sich als „Verfassungssentimentalismus“ begreifen lässt.

Die Referentin

Astrid Séville ist Professorin für Politikwissenschaft, insbesondere Politische Theorie an der Leuphana Universität Lüneburg und leitet dort das Zentrum für Demokratieforschung (ZDemo). Im Jahr 2026 ist sie zudem Gastprofessorin an der Universität St. Gallen. Sie studierte Politikwissenschaft, Romanistik und Historische Anthropologie an der Universität Freiburg und der Universität Paris und forscht zu politischer Theorie, Populismus, demokratischer Opposition und politischer Kommunikation. Zu ihren jüngsten Veröffentlichungen gehören „Modern micropolitics of antipopulism: Rethinking discourse and empathy”, in: Politische Vierteljahreszeitschrift 2025, Open Access; mit Julian Müller (Hrsg.): „Amtsmenschen”, Mittelweg 36, 3/4 2025.


Die Veranstaltungsreihe

Die Greifswalder Rechtsvorträge bieten Angehörigen der Universität Greifswald und Vertreter*innen der juristischen Praxis Gelegenheit zum wissenschaftlichen Austausch.

 


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