Lehrstuhl für ABWL und Gesundheitsmanagement
AdaptInfra – Adaptionsprozesse von Infrastrukturen der Daseinsvorsorge in ländlich-peripheren Räumen
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert eine neue interdisziplinäre Forschungsgruppe. „AdaptInfra – Adaptionsprozesse von Infrastrukturen der Daseinsvorsorge in ländlich-peripheren Räumen“ untersucht, wie sich Infrastrukturen in ländlich-peripheren Räumen an veränderte gesellschaftliche, wirtschaftliche, technische und ökologische Bedingungen anpassen.
Hintergrund:
Ausgangspunkt von AdaptInfra ist die These, dass die Adaption von Infrastrukturen an sich verändernde gesellschaftliche Rahmenbedingungen eine notwendige Voraussetzung für die zukünftige Sicherung der Daseinsvorsorge in ländlich-peripheren Räumen ist. Infrastrukturen werden dabei als soziotechnische Systeme verstanden, die aus materiellen, institutionellen und Akteursdimensionen bestehen.
Ziele des Projektes:
Mit Blick auf die Besonderheiten ländlich-peripherer Räume setzt AdaptInfra sich folgende Ziele:
- Adaptionsprozesse in Infrastruktursystemen beschreiben und erklären
- Adaptionsfähigkeit verschiedener Infrastrukturen bewerten
- Verallgemeinerbare Prinzipien für die Gestaltung adaptiver Infrastrukturen identifizieren
Der konzeptionelle Rahmen stützt sich auf ein soziotechnisches Verständnis von Infrastrukturen und eine systemdynamische Perspektive auf deren Adaption. Im Zentrum der Untersuchung stehen die besonderen Herausforderungen an die Entwicklung und Gestaltung von Infrastrukturen in ländlich-peripheren Räumen. Der Fokus liegt auf Infrastrukturen der Daseinsvorsorge, die die grundgesetzlich verankerte angemessene Teilhabe aller Individuen am gesellschaftlichen Leben im Sinne der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Bundesgebiet sicherstellen sollen (vgl. Art 72, Abs. 2 GG). So zahlreich wie die Güter und Leistungen der menschlichen Grundversorgung, die die Daseinsvorsorge umfasst, sind auch die Infrastrukturen, die hierzu notwendige Voraussetzungen schaffen und Vorleistungen erbringen. Um trotz dieser Verschiedenheit zu verallgemeinerbaren Aussagen zu gelangen, werden im Rahmen von AdaptInfra Adaptionsprozesse verschiedener zentraler Infrastrukturen der Daseinsvorsorge in sieben Teilprojekten auf der Basis eines innovativen und kohärenten Konzepts der Zusammenarbeit untersucht. Ein Syntheseprojekt, sowie die Untersuchung von Querschnittsaspekten sorgen für eine übergreifende Perspektive.
Aufgabe des Lehrstuhls für ABWL und Gesundheitsmanagement: Teilprojekt 5
TP 5: Adaptionsprozesse der medizinischen Versorgungslandschaft in ländlich-peripheren Räumen am Beispiel der Region Vorpommern - Eine Analyse auf Basis einer Multimethodenmodellierung
Titel:
AdaptInfra - Adaptionsprozesse von Infrastrukturen der Daseinsvorsorge in ländlich-peripheren Räumen - Teilprojekt 5
Gefördert durch: Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG)
Laufzeit: 01.09.2026 – 31.08.2030
Sprecher der Forschungsgruppe:
Prof. Dr. Volker Beckmann
Website: https://adaptinfra.uni-greifswald.de/
Beteiligung des Lehrstuhls für ABWL und Gesundheitsmanagement:
TP 5: Adaptionsprozesse der medizinischen Versorgungslandschaft in ländlich-peripheren Räumen am Beispiel der Region Vorpommern - Eine Analyse auf Basis einer Multimethodenmodellierung
Ansprechperson: N.N.
Projektpartner:
Universität Greifswald:
Prof. Dr. Daniel Schiller, Wirtschafts- und Sozialgeographie
Prof. Dr. Silke Schmidt-Schuchert, Gesundheit und Prävention
Prof. Dr. Volker Beckmann, Allgemeine Volkswirtschaftslehre und Landschaftsökonomie
Universitätsmedizin Greifswald:
Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann, Institut für Community Medicine
Prof. Dr. Neeltje van den Berg, Institut für Community Medicine
RPTU Kaiserslautern-Landau:
Universitätsmedizin Rostock:
Kooperationspartner der Forschungsgruppe:
TP 5: Adaptionsprozesse der medizinischen Versorgungslandschaft in ländlich-peripheren Räumen am Beispiel der Region Vorpommern - Eine Analyse auf Basis einer Multimethodenmodellierung
Die regionale medizinische Versorgung ist eine wichtige Dimension der Daseinsvorsorge. Die Infrastruktur der regionalen medizinischen Versorgung ist komplex und besteht aus Einrichtungen sowie Angehörigen von Gesundheitsberufen in verschiedenen, größtenteils voneinander unabhängig geplanten Sektoren, Transportnetzen, IT-Infrastruktur (einschl. eHealth), Gesetzen und Verordnungen, sowie Akteuren der Selbstverwaltung. Anpassungen der medizinischen Versorgung werden häufig nicht durch Änderungen der Bedarfe der Bevölkerung bestimmt, sondern durch Änderungen in der Gesetzeslage oder in der Finanzierung. Dies hat Zielkonflikte zwischen Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und -qualität, insbesondere in ländlich-peripheren Räumen zur Folge.
Ziele des Teilprojektes:
- Analyse der Änderungen der adaptiven Infrastruktur einer regionalen medizinischen Versorgungslandschaft, um hieraus grundlegende Erkenntnisse über Planungs-, Entscheidungs- und Adaptionsprozesse kritischer Infrastruktur zu erhalten. Hierfür wird ein hybrides Modell (SD+ABS) entwickelt und parametrisiert, um die Adaption der Infrastruktur zu analysieren und zu prognostizieren sowie den Einfluss relevanter Determinanten quantitativ bewerten zu können.
- Die Entwicklung einer regionalen medizinischen Versorgungsstruktur mit einer möglichst optimalen Balance zwischen Versorgungssicherheit für die Bevölkerung und ökonomischer Effizienz für die Leistungserbringer insbesondere für 2 Patientengruppen (Kinder und Jugendliche sowie geriatrische Patienten).
Forschungsfragen:
- Wie wirkt sich die Veränderung bestimmter Parameter der Versorgungslandschaft und der Bevölkerung auf die Adaption der Infrastruktur der Gesundheitsversorgung sowie maßgebliche Systemgrößen für Leistungserbringer und Bevölkerung aus?
- Welche Faktoren sind entscheidend für die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Versorgungslandschaft?
- Welche Faktoren können die Versorgungslandschaft so ändern, dass auch bei einer geringeren Versorgungsdichte die Zufriedenheit der Bevölkerung angenommen werden kann?
- Welche Faktoren und Prozesse bestimmen grundlegend die Adaption einer kritischen Infrastruktur der Daseinsvorsorge?
Modellierung:
Zur Beantwortung der Forschungsfragen werden 2 Modelltypen kombiniert:
- System Dynamics Modelle (SD): Abbildung von Makrostrukturen und Gesamtprozessen in der Versorgungslandschaft der Untersuchungsregion.
- Agenten-Basierte Modelle (AB): Modellierung von Individuen mit verschiedenen Eigenschaften, die in Netzwerken agieren.
- Die regionale medizinische Versorgung ist eine Kombination aus Bedarfen und Verhalten von Individuen und Mechanismen und Strukturen auf der Makro-Ebene.
- Der Anpassungsprozess der Leistungserbringer wird durch ein SD abgebildet, die Patientenebene durch ein AB.
- Für 2 Use Cases (pädiatrische und geriatrische Versorgung) werden für verschiedene Szenarien (einschl. Telemedizin) Modelle entwickelt und parametrisiert.
- Die Auswirkungen der Modellierungsergebnisse auf die Bevölkerung (Entfernungen, Zufriedenheit) werden untersucht.
Verantwortliche Personen:
- Prof. Dr. Neeltje van den Berg, Institut für Community Medicine, Universitätsmedizin Greifswald
- Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann, Institut für Community Medicine, Universitätsmedizin Greifswald
- Prof. Dr. Steffen Fleßa, ABWL und Gesundheitsmanagement, Universität Greifswald






