Vorpommern Connect (VoCo) - Nachhaltige Stadt-Land-Wertschöpfungsketten bewerten und gestalten

Regionalproduktmesse im Vorpommerschen Landesmuseum in Greifswald. Bild: WFG Vorpommern/Henry Dramsch.

Hintergrund

Ziel der Fördermaßnahme „Stadt-Land-Plus“ ist, durch Stärkung der Stadt-Land-Beziehungen eine integrierte nachhaltige Entwicklung von Regionen zu erreichen. Im Mittelpunkt des VoCo Projekts steht die Universitäts- und Hansestadt Greifswald als ein wachsendes Mittelzentrum in einer von Schrumpfung geprägten ländlichen Region. Greifswald und die Region Vorpommern stehen damit stellvertretend für kleine urbane Wachstumszentren in ländlichen Räumen Deutschlands.

Die Universitäts- und Hansestadt Greifswald steht vor der Herausforderung, eine hohe Lebensqualität und eine hinreichende Versorgung mit öffentlichen Leistungen für eine wachsende Stadt-Bevölkerung und die Bevölkerung der Umland-Kommunen zu gewährleisten; so kommen schon heute etwa 25% der Nutzer von Kultur- und Bildungsangeboten in Greifswald aus dem Umland. Umgekehrt gewinnt der umgebende ländliche Raum an Bedeutung für die Erholung für die städtisch geprägten Einwohner Greifswalds und angrenzender Landgemeinden. Auch fordern viele im Sinne der Nachhaltigkeit von der Landwirtschaft ein umweltbewussteres Wirtschaften. Dazu zählen besonders die Bereitstellung regionaler Produkte und die Pflege der Landschaft.

Diesen Ansprüchen steht in Vorpommern eine von großen Strukturen geprägte Landwirtschaft gegenüber, die den Großteil ihrer landwirtschaftlichen Erzeugnisse aktuell als Rohware an überregionale Märkte liefert. Eine Wertschöpfung aus Verarbeitung und Vermarktung höherwertiger Produkte findet in der Region kaum statt. Es fehlt an regionalen Verarbeitungs- und Vermarktungswegen. Die Landwirte beschäftigen daher vorrangig die unsicheren Marktentwicklungen und die Anpassung an sich wandelnde Regeln und Auflagen bezüglich Klimaschutz, der Vermeidung von Stickstoffausträgen und der Förderung der Biodiversität.

Zukunftsfähiges Landmanagement muss also die produktive und wirtschaftliche Nutzung des Landes verfolgen, ohne diese unterschiedlichen Interessen und Zusammenhänge zu übersehen.

 

Inhalt / Ziele

VoCo will die Stadt-Land-Beziehung zwischen der Region Vorpommern und der Stadt Greifswald verbessern, Konflikte reduzieren und Entwicklungspotentiale erschließen. Ziel ist es, eine umfassende wissenschaftliche Basis für Entscheidungen über Stadt-Land-Beziehungen zu schaffen. Dies erfolgt im Einzelnen durch (1) die Darstellung bestehender Wertschöpfungsketten und -potenziale einer nachhaltigeren Landnutzung, (2) die Definition von Zielen für eine multifunktionale Landnutzung,

(3) die Weiterentwicklung von Instrumenten zur Bewertung von Szenarien zukünftiger Entwicklungen der Landnutzung und (4) die Identifizierung von Finanzierungsmöglichkeiten für bestehende und innovative Leistungen bei Biodiversität und Umweltschutz oder auch Umweltbildung.

Mit diesem Ansatz wird eine Auswahl von Modellprojekten in der Region wissenschaftlich vorbereitet und in der Umsetzung begleitet. Träger der Projekte sind Praxispartner bei den angrenzenden Landkreisen Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald sowie bei der Universitäts- und Hansestadt Greifswald. getragen werden. So sollen neue Nutzungs- und Wertschöpfungsoptionen aufgezeigt werden, die z.B. über regionale Verarbeitung die Wertschöpfung im ländlichen Raum erhöhen und damit stabile regionale Entwicklung fördern und den Nutzen der ländlichen wie der städtischen Bevölkerung erhöhen.

Schwerpunkte liegen dabei einerseits im Bereich der energetischen Verwertung von Rohstoffen aus Landschaftspflege und Paludikultur. So will Greifswald im Klimaschutz bis 2050 seine THG-Emissionen um 95% gegenüber 1990 mindern und den Endenergieverbrauch um 50% verringern. Das Potential einer Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern, z.B. von Grünlandflächen aus dem Umland, wird dafür bisher nicht ausgeschöpft. Viele davon werden derzeit in subventionierter Mindestpflege gehalten, ohne dabei große Beiträge zu Wertschöpfung oder Biodiversitätsschutz zu liefern.

Bei anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen wird vor allem die Analyse der Wertschöpfungsketten und der Möglichkeiten einer stärkeren Regionalisierung der Wertschöpfung, wie auch die Stärkung des regionalen Konsums oder Prägung regionaler Marken im Mittelpunkt stehen.

Die Analysen stützen sich auf Verbraucher- und Expertenbefragungen sowie auf systematische Akteurs- und Marktanalysen. Bezüglich der ökologischen Leistungen in der Landschaft werden detaillierte Raumanalysen durchgeführt und Szenarien alternativer Nutzungsvarianten vergleichend als Diskussionsgrundlage erarbeitet. Auf deren Basis sollen in der von den Projekt-Teilnehmern getragenen regionalen Partnerschaft Zielsetzungen für die zukünftige Entwicklung sowie geeignete Instrumente, administrative wie auch finanzielle, zu deren Erreichung erarbeitet und soweit möglich erprobt werden.

Begleitend wird der Ausbau von Stadt-Land-Beziehungen auch im Bereich der Umweltbildung als ein wichtiger Ansatzpunkt verfolgt. Damit soll im Projekt VoCo unter wissenschaftlicher Leitung der Universität und unter Beteiligung der Michael Succow Stiftung für die Koordination der praktischen Umsetzung mit den regionalen Partnern bei der Stadt Greifswald und den Landkreisen Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen an bereits entwickelte Netzwerkprozesse wie z.B. der Greifswalder Agrarinitiative erfolgreich angeknüpft werden.

Titel:
VoCo – Vorpommern Connect
– Nachhaltige Stadt-Land-Wertschöpfungsketten bewerten und gestalten

Gefördert durch:

Fördermaßnahme Stadt-Land-Plus im BMBF-Rahmenprogramm
FONA3 „Forschung für Nachhaltige Entwicklung“

FKZ 033L211

Laufzeit:
01.08.2018 – 31.07.2023
Verbundkoordinator
Prof. Volker Beckmann
Projektmanagement
Dr. Michael Rühs (AP 9)

Weitere Arbeitspakete (AP) am Lehrstuhl:
Astrid Kowatsch
AP 3 Regionale Ökosystemleistungen, Finanzierungsinstrumente und Institutionen
Stephan Busse
AP 5 Regionale räumliche Integration von Ökologie und Ökonomie in Szenarien

Wissenschaftliche Kooperationspartner:
AG Moorkunde und Paläoökologie – Prof. Hans Joosten; Universität Greifswald
Monika Hohlbein
AP 1 Regionale Wertschöpfungsketten aus Energiebiomasse

Wirtschafts- und Sozialgeographie – Prof. Daniel Schiller; Universität Greifswald
Dr. Johannes Fuchs
AP 2 Regionale Wertschöpfungsketten aus landwirtschaftlichen Produkten und
Judith Maruschke
AP 4 Regionale Ansprüche der Bevölkerung

Praxispartner für Modellprojekte:
Michael Succow Stiftung
Thomas Beil
AP 6 Regionaler Interessensausgleich und Akteurs-Beteiligung

Universitäts- und Hansestadt Greifswald – Amt für Wirtschaft und Finanzen
AP 7 Schnittstellenmanagement und Modellprojekte „Regionale Versorgung“

Landkreis Vorpommern-Greifswald – Amt für Kultur, Bildung und Schulverwaltung
AP 8a Modellprojekte „Ländliche Erlebnis- und Lernorte und Lehrangebote“

Landkreis Vorpommern-Rügen – Stabsstelle Wirtschaftsförderung
AP 8b Modellprojekte „(Über-)Regionale Vermarktung“